Klasse 7 › Deutsch › Literatur und Vortrag
Was ist eine Kurzgeschichte?
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Eine Kurzgeschichte ist eine eigene Textsorte, nicht einfach eine kurze Geschichte. Sie beginnt mitten im Geschehen, zeigt einen Ausschnitt aus dem Alltag mit wenigen Figuren, hat einen Wendepunkt und endet offen – der Leser denkt weiter. Bei uns wurde sie nach 1945 beliebt, nach dem Vorbild der amerikanischen Short Story.
Das Wichtigste zum Nachlesen
1 Min. Lesen
Mehr als eine kurze Geschichte
Die Kurzgeschichte ist eine eigene Textsorte, nicht einfach eine Geschichte, die kurz ist. Sie zeigt einen kleinen Ausschnitt aus dem Alltag: wenige Figuren, eine kurze Zeitspanne, ein Moment, in dem sich etwas entscheidet. Sie beginnt mitten im Geschehen und hört oft auf, ohne alles aufzulösen. In Deutschland wurde sie nach 1945 beliebt, nach dem Vorbild der amerikanischen short story.
Merkmale
- unvermittelter Anfang: mitten ins Geschehen
- Ausschnitt aus dem Alltag, kurze Zeitspanne
- wenige Figuren, oft ohne Namen
- ein Wendepunkt, an dem sich etwas ändert
- offener Schluss: Der Leser denkt weiter
Beispiel: „Das Brot“ (Borchert, 1946)
- Anfang: „Plötzlich wachte sie auf. Es war halb drei.“
- Nachts in der Küche, in Zeiten knappen Essens: eine Frau und ihr Mann.
- Kein „Es war einmal“, keine Vorstellung der Figuren – wir sind sofort mittendrin.
Die Spannungskurve einer Kurzgeschichte
Kein Anlauf mit Einleitung: Es geht mitten im Geschehen los. Nach dem Wendepunkt fällt die Spannung kaum – der Schluss bleibt offen.
Nicht verwechseln
- Märchen: Es war einmal, Zauber, glückliches Ende.
- Fabel: sprechende Tiere, am Ende eine Lehre.
- Kurzgeschichte: Alltag, kein Zauber, keine Lehre, offener Schluss.
Typische Falle
- Eine Kurzgeschichte ist nicht einfach eine kurze Geschichte – ein kurzes Märchen bleibt ein Märchen.
- Der offene Schluss ist kein Fehler, sondern Absicht.
- Der Wendepunkt ist oft unscheinbar: ein Blick, ein Satz, eine Entscheidung.
Tipp
Stell nach dem Lesen zwei Fragen: Wo hat sich etwas verändert? Und was könnte nach dem letzten Satz passieren? So findest du Wendepunkt und offenen Schluss.
Üben
3 Aufgaben
Typisch für eine Kurzgeschichte? Kreuze an.
- Sie beginnt mitten im Geschehen.
- Sie beginnt mit „Es war einmal“.
- Das Ende bleibt oft offen.
- Sie spielt meist im Alltag.
- Tiere sprechen, und am Ende steht eine Lehre.
- Viele Figuren erleben etwas über viele Jahre.
Unvermittelter Anfang oder Einleitung? Schreib unvermittelt oder Einleitung.
- Es war einmal ein König, der hatte drei Töchter.
- Plötzlich wachte sie auf. Es war halb drei. (Borchert)
- Als der Anruf kam, stand er schon an der Tür.
- In einem kleinen Dorf lebte vor langer Zeit ein Bauer.
- Sie sagte es jetzt zum dritten Mal.
Welche Textsorte passt? Schreib Kurzgeschichte, Märchen oder Fabel.
- Ein Fuchs und ein Rabe streiten, am Ende steht eine Lehre.
- Ein Mädchen wartet am Bahnhof auf den Vater, der nicht kommt; das Ende bleibt offen.
- Eine Prinzessin wird von einer Hexe verzaubert und am Ende erlöst.
- Ein Junge sitzt nach einem Streit stumm beim Abendessen, niemand spricht es an.
- Die Tiere des Waldes lernen, dass Hochmut vor dem Fall kommt.
Was im Video gesagt wird
Abschrift
Einstieg
Kurzgeschichte? Einfach eine kurze Geschichte! Leider falsch.
Erklärung
Ein Märchen auf einer Seite ist kurz. Trotzdem bleibt es ein Märchen. Die Kurzgeschichte ist eine eigene Textsorte. Vielleicht kommt sie erst nächstes Jahr. Bei uns wurde sie nach 1945 beliebt, nach amerikanischem Vorbild. Erstens: Sie beginnt mittendrin. Kein „Es war einmal“, keine Vorstellung.
Zweitens: ein Ausschnitt aus dem Alltag. Wenige Figuren, kurze Zeit. Drittens: ein Wendepunkt. Ein Blick, ein Satz – danach ist etwas anders. Viertens: Der Schluss bleibt offen. Wie es weitergeht, denkst du selbst. Neben dem Märchen siehst du es: anderer Anfang, andere Welt, anderes Ende.
Und die Fabel? Sprechende Tiere, am Ende eine Lehre. Fehlt hier auch. Warum? Der Anfang zieht dich hinein, der Schluss lässt dich nicht los. Kurz ist sie meistens auch. Aber Kürze allein macht keine Kurzgeschichte.
Beispiele
Ein Beispiel von 1946: „Das Brot“ von Wolfgang Borchert. Der erste Satz: „Plötzlich wachte sie auf. Es war halb drei.“ Wer ist sie? Warum wacht sie auf? Keine Erklärung. Mittendrin. Die Figuren heißen nur „sie“ und „er“. Namen gibt es keine.
Nachts steht er in der Küche. Auf dem Tisch liegen Brotkrümel. Er sagt, da wäre etwas gewesen. Sie merkt: Er lügt. Der Wendepunkt: Sie verrät ihn nicht. Sie tut, als wäre nichts. Am nächsten Abend gibt sie ihm vier Scheiben Brot statt drei.
Dann ist Schluss. Warum schweigt sie? Was wird aus beiden? Mittendrin, Alltag, Wendepunkt, offener Schluss: Alle Merkmale sind da.
Dein Zug
Dein Zug: Ein Text beginnt mit „Es war einmal“ und endet glücklich. Kurzgeschichte? Nein, eher ein Märchen.
Zum Schluss
Also: Nicht die Länge entscheidet, sondern die Merkmale. Merk dir: Eine Kurzgeschichte beginnt mittendrin und endet offen. Zum Üben: Schreib den offenen Schluss einer Kurzgeschichte in zwei Varianten weiter. Nächste Frage: Wie liest man ein Gedicht richtig vor?
Danach




