Klasse 7 › Deutsch › Literatur und Vortrag
Wer erzählt in einem Buch?
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In einem Buch erzählt der Erzähler – eine erfundene Stimme im Text, nicht der Autor. Das gilt auch für den Ich-Erzähler. Erzählt wird in der Ich-Form oder in der Er-/Sie-Form, und der Erzähler weiß verschieden viel: auktorial schaut er in alle Köpfe, personal nur in den einer Figur, neutral in keinen.
Das Wichtigste zum Nachlesen
1 Min. Lesen
Die Stimme hinter der Geschichte
Der Autor ist der wirkliche Mensch, der das Buch geschrieben hat. Der Erzähler ist eine erfundene Stimme im Text – auch wenn er „ich“ sagt. Erzählt wird in der Ich-Form oder in der Er-/Sie-Form. Außerdem unterscheidet man, wie viel der Erzähler weiß: alles (auktorial), nur das, was eine Figur erlebt (personal), oder nur das, was man von außen sieht (neutral).
Wer schaut in welchen Kopf?
Die Erzähler stehen außerhalb der Geschichte, die Autorin außerhalb des Buchs. Ein Ich-Erzähler dagegen ist selbst eine Figur darin.
Wie viel weiß der Erzähler?
- weiß alles, kennt alle Gedanken, kommentiert
- erlebt mit einer Figur mit, weiß nur, was sie weiß
- berichtet wie eine Kamera, ohne Gedanken
- eine Figur erzählt selbst
Woran du es erkennst
- Kommentar oder Vorausdeutung („Er ahnte nicht, dass …“): auktorial
- Gedanken und Gefühle nur einer Figur, in der Er-Form: personal
- nur Handlung und Rede, kein Blick in die Köpfe: neutral
Typische Falle
- Der Erzähler ist nicht der Autor – auch nicht der Ich-Erzähler.
- Eine sechzigjährige Autorin kann eine zwölfjährige Ich-Erzählerin erfinden.
- Er-Form heißt nicht automatisch auktorial.
Tipp
Frag bei einer Textstelle: In wessen Kopf kann ich gerade schauen – in keinen, in einen oder in alle?
Üben
4 Aufgaben
Wie erzählt die Stelle? Schreib auktorial, personal oder neutral.
- Tim ahnte noch nicht, dass dieser Tag sein Leben verändern würde.
- Mia starrte auf die Uhr. Warum kam er nicht? Hatte sie etwas falsch gemacht?
- Ein Mann betritt den Raum. Er setzt sich. Die Uhr tickt.
- Beide Kinder hofften, dass es keiner merkte – doch der Lehrer wusste längst Bescheid.
- Lukas spürte, wie ihm heiß wurde. Er wollte nur noch weg.
Schreib in die Ich-Form um. Setz ein: Ich, mein, mir oder mich.
- Mia öffnete ihre Tasche. → öffnete meine Tasche.
- Sie suchte ihr Handy. → Ich suchte Handy.
- Niemand hatte ihr geglaubt. → Niemand hatte geglaubt.
- Das ärgerte sie. → Das ärgerte .
Stimmt das? Kreuze an.
- Der Ich-Erzähler ist immer der Autor.
- Ein auktorialer Erzähler kann in die Köpfe mehrerer Figuren schauen.
- Ein neutraler Erzähler verrät, was die Figuren denken.
- Der personale Erzähler erzählt aus der Sicht einer Figur.
- „Das sollte er noch bereuen“ ist ein Signal für einen auktorialen Erzähler.
- Der Autor ist der wirkliche Mensch, der den Text geschrieben hat.
Welche Beschreibung passt? Verbinde.
- auktorial
- personal
- neutral
- Ich-Erzähler
- berichtet wie eine Kamera
- weiß alles und kommentiert
- eine Figur erzählt selbst
- erlebt mit einer Figur mit
Was im Video gesagt wird
Abschrift
Einstieg
Wer erzählt in einem Buch? Der Autor natürlich! Leider falsch.
Erklärung
Der Autor ist ein echter Mensch. Er hat das Buch geschrieben. Der Erzähler ist eine Stimme im Text. Die hat der Autor erfunden. Der Autor sitzt draußen am Schreibtisch. Der Erzähler steckt drinnen, im Buch. Auch wenn er „ich“ sagt: Dieses Ich ist erfunden, nicht der Autor.
Ein Beispiel von 1826: Im „Taugenichts“ erzählt ein Müllerssohn als Ich. Geschrieben hat ihn Joseph von Eichendorff: ein Beamter, kein Müllerssohn. Es gibt zwei Erzählformen: die Ich-Form und die Er-/Sie-Form. Wie viel weiß der Erzähler? Kommt bei dir vielleicht erst nächstes Jahr.
Auktorial: Der Erzähler weiß alles, schaut in jeden Kopf und kommentiert. Personal: Er bleibt bei einer Figur und weiß nur, was sie weiß. Neutral: Er zeigt nur, was man sieht und hört. Gedanken bleiben verborgen. Auktorial erkennst du an Kommentaren und Vorausdeutungen: „Er ahnte nicht …“
Gegenprobe: Erzählt ein Hund als Ich, ist der Autor ein Hund? Eben.
Beispiele
Neues Beispiel: der Anfang von Kafkas „Verwandlung“, erschienen 1915. „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte …“ „… fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“ Frage eins: Welche Form? Da steht „er“, also die Er-Form.
Und wer erzählt? Nicht Kafka, sondern eine Stimme, die Kafka erfunden hat. Frage zwei: In wessen Kopf schauen wir? Nur in Gregors. Wir wissen nur, was Gregor sieht und denkt. Also: Er-Form, personal erzählt. Jetzt in der Ich-Form: „… fand ich mich in meinem Bett …“
Jetzt spricht Gregor selbst: noch näher dran, aber genauso erfunden.
Dein Zug
Dein Zug: Die Ich-Erzählerin ist zwölf, die Autorin sechzig. Wer spricht? Die erfundene Erzählerin.
Zum Schluss
Also: Der Autor schreibt das Buch. Im Buch erzählt der Erzähler. Merk dir: Der Erzähler ist eine erfundene Stimme, nie der Autor. Zum Üben: Schreib eine halbe Seite aus deinem Buch als Ich-Erzähler um. Nächste Frage: Was ist eine Kurzgeschichte?
Danach




